Bebuquin und Berlin (1907-1914)

Nach seinem Studium arbeitete Einstein als Feuilletonist und Kunstkritiker für deutsche und französische Zeitschriften, gewann an Einfluss und öffentlicher Wirkung, auch durch Lese-Abende und Auftritte mit der Nachwuchs-Prominenz (Benn, Benjamin, van Hoddis u.a.). Sein früher literarischer Ruhm beruht auf dem "Geniestreich", einen frechen Mini-Roman als Farce anzulegen, die seinerzeit Populäres im "epistemologischen Riss" (Sabel 2002) parodistisch aufgriff und doch punktgenau ins Explosiv-Apokalyptische der Vorkriegszeit traf. 1912: "Bebuquin oder die Dilettanten des Wunders" (RUB, hg. Kleinschmidt 1985) hat einen melancholischen Touch und einen coolen Helden, der noch heute anrührend wirkt. Rückblickend wird aus "produktiven Missverständnissen" (Krämer 1991) nach fast 100 Jahren sein einzigartiger Stellenwert an der kreativen Schnittstelle neuer und neuester Avantgardismen von Literatur und Kunst (Expressionismus, Kubismus, Dadaismus) immer deutlicher: ein radikaler Entwurf, um die "verfluchte Heredität" loszuwerden (Kramer 1990). Paris-Reisen der Jahre 1905ff. und der bedeutende Zugewinn an Kulturtransfer (Meffre 2002) im Umkreis von Kahnweiler, Gide, Picasso, Braque u.a. haben ihre Spuren im ersten deutschen Großstadt-Roman über Berlin hinterlassen. Bebuquins "hilflos geliebte Erlebnisgestalt" ("BEB II"; Kröger 2007) wandert unter vielen Namen durch die gesamte Existenz Einsteins bis hin zum selbstgewählten Exil in Paris (1928), sei es in Briefen, im veröffentlichten Werk oder im Nachlass (Penkert 1969 u. 1970). Nur in der allerletzten Phase, auf dem Kriegsschauplatz Spanien fehlen Bebuquins Spuren bis jetzt (Moskauer Archiv noch unzugänglich).

Sehr wichtig wird im frühen Berliner Milieu die Bekanntschaft mit der Ägyptologin Hedwig Fechheimer. In diesem Zusammenhang steht möglicherweise eine Afrika (Ägypten?)-Reise, jedenfalls aber wurzelt hier der anti-kolonialistische, kunstphilosophische und geradezu meta-ethnologische Impetus zum Studium der Kulturen Afrikas und Ozeaniens bis hin zum Surrealismus der Pariser Zeit auf mythisch-religiöser Basis.

Weltkrieg und Revolution - 1914-1920 -->